Grüne Umweltpolitiker auf Tour in Solingen

Besuch der Ohligser Heide und umstrittener Gewerbegebiete im Ittertal

PM der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW

Solingen – Im Rahmen ihrer diesjährigen Umwelttour besuchten sechs Abgeordnete der grünen Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen auf Initiative des Sprechers für Natur- und Umweltschutz, Volkhard Wille, am 22. Juli 2026 die Ohligser Heide sowie zwei umstrittene Gewerbegebiete im Ittertal. Mit dabei waren die Landtagsabgeordneten Norika Creuzmann, Antje Grothus, Gregor Kaiser, Christina Osei, Astrid Vogelheim und Volkhard Wille. Begleitet wurden sie von der grünen Fraktionsvorsitzenden im Rat Solingen, Ruth Fischer-Bieniek, dem Geschäftsführer der Biologischen Station Mittlere Wupper, Jan Boomers, und Christian Robbin von der Bürgerinitiative Rettet das Ittertal.

Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper erläutert die Geschichte der Ohligser Heide (Foto: Simon van de Loo)
Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper erläutert die Geschichte der Ohligser Heide (Foto: Simon van de Loo)

Los ging es in der Ohligser Heide. Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper führte durch das FFH-Gebiet. Er hob die Bedeutung dieses Lebensraumtyps für den lokalen Naturschutz hervor und erläuterte das Pflegemanagement von Heideflächen. „Die Lebensräume alter bäuerlicher Kulturlandschaften können nur durch eine naturschutzgerechte Bewirtschaftung und eine gute fachliche Betreuung erhalten werden. Engagierte Landwirte und Naturschützer sind dafür unverzichtbar. Das Land fördert über den Vertragsnaturschutz die Landwirte und finanziert die Arbeit der Biologischen Stationen“, so Volkhard Wille.

Die Bürgerinitiative Rettet das Ittertal informiert über den aktuellen Stand der geplanten Gewerbegebiete, von denen eines im Hintergrund zu sehen ist (Foto: Simon van de Loo)
Die Bürgerinitiative Rettet das Ittertal informiert über den aktuellen Stand der geplanten Gewerbegebiete, von denen eines im Hintergrund zu sehen ist (Foto: Simon van de Loo)

Am Nachmittag besuchte die Delegation die beiden umstrittenen Gewerbegebiete im Ittertal Piepersberg und Fürkeltrath. Christian Robbin von der BI Rettet das Ittertal erläuterte gemeinsam mit der grünen Fraktionsvorsitzenden im Rat Solingen, Ruth Fischer-Bieniek, den aktuellen Sachstand zur geplanten Nutzung der Flächen. Er betonte insbesondere die naturräumliche Bedeutung beider Flächen. Volkhard Wille sagt: „Wir müssen weg von dem viel zu hohen Flächenverbrauch. Große Gewerbegebiete auf der grünen Wiese zerstören nicht nur wertvolle landwirtschaftliche Flächen und Lebensräume, sondern erhöhen durch Flächenversiegelung auch das Hochwasserrisiko.“ Ruth Fischer-Bieniek ergänzt: „Wir müssen Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch entkoppeln. Eine moderne Wirtschaftspolitik setzt auf die nachhaltige Entwicklung bestehender Gewerbeflächen und Brachen, stärkt Dienstleistungsbranchen, sichert Fachkräfte und folgt konsequent dem Prinzip Innen- vor Außenentwicklung – zum Schutz von Natur, Klima und Stadtbild.“

Gruppenbild der grünen Delegation (Foto: Simon van de Loo)
Gruppenbild der grünen Delegation (Foto: Simon van de Loo)

Hintergrund: Umwelttour 2026
Die Umwelttour wurde 2024 von den grünen Mitgliedern des Umweltausschusses im Landtag NRW ins Leben gerufen und findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Ab dem 20.07.2026 besuchen die Abgeordneten gemeinsam Standorte in ganz NRW, informieren sich zu aktuellen umweltpolitischen Fragestellungen und gehen in den Austausch mit verschiedenen Gesprächspartnern. Besucht werden unter anderem die Kläranlage Aachen-Soers, der Hambacher Wald, die Ohligser Heide, das Fraunhofer Institut in Schmallenberg, der Schafzuchtverband in Löwendorf und die Wildpferdeherde in Dülmen.

Verfasser/Ansprechpartner:
Maike Wennemer
Büroleitung Dr. Volkhard Wille MdL
Sprecher für Natur und Umweltschutz

Sommerfest 2026

Am Sonntag, dem 12.07.2026 ab 13:00 Uhr freuen wir uns, Sie / Euch auf dem Gelände des Naturfreundehauses Holzerbachtal begrüßen zu dürfen.

Im Jahr 2018 hatten wir uns zuletzt am gleichen Ort getroffen. Jetzt ist es wieder an der Zeit, über die vergangenen Jahren zu berichten und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Wir sorgen für Essen vom Grill und /oder Kuchen vom Blech, dazu die passenden Getränke.
Es gibt keine Agenda für unser Sommerfest, aber wir berichten zu aktuellen Entwicklungen und haben vielleicht die eine oder andere Information, die nicht in der Presse stand.

  • Buschfeld bleibt Landwirtschaftsfläche!
  • Welche Entwicklungen gibt es bei Brachflächen?
  • Was ist mit Fürkeltrath-2 und Piepersberg-West (siehe Foto)?
  • Was plant Wuppertal zusätzlich zur Boden-Recycling-Anlage am Westring?
  • Was passiert in unseren Nachbarkommunen bzgl. Flächen?
  • Welche Erkenntnisse gibt es aus der Amphibien-Saison für das Ittertal?
  • Was können wir tun? 

Buschfeld bleibt Naturraum!

Am 25.06.2026 hat der Regionalrat Düsseldorf mit breiter Mehrheit dem Antrag der Stadt Solingen zugestimmt, die Fläche Buschfeld im Regionalplan dauerhaft als Landwirtschaftsfläche auszuweisen. Formal hat der Regionalrat in seiner Juni-Sitzung die Bezirksregierung aufgefordert, eine entsprechende Änderung des Regionalplans vorzubereiten.

Im Regionalplan soll Buschfeld zukünftig als allgemeiner Freiraum und Fläche für Agrarnutzung (AFA) ausgewiesen werden. Bisher war die Fläche als allgemeiner Siedlungsbereich (ASB) gekennzeichnet, was auch eine gewerbliche Nutzung ermöglichen würde (Details siehe Kasten).
Bevor die Änderung im Regionalplan final gültig wird, erfolgt nach der Texterstellung eine Offenlegung und abschließend muss der Regionalrat die Änderung dann beschließen.

Der Regionalrat hat damit nach einer langen Vorgeschichte beschlossen, dem Wusch der Stadt Solingen zu entsprechen, den Regionalplan bezüglich Buschfeld ändern zu lassen, damit Buschfeld dauerhaft eine landwirtschaftlich genutzte Fläche mit Schutzfunktion für das angrenzende Naturschutzgebiet „Mittlere Itter“ bleiben kann.

Details zur Umwidmung:

Die bisher als Fläche für den Allgemeinen Siedlungsbereich (ASB) gekennzeichnete Fläche wird zu einer Fläche für Allgemeinen Freiraum und Agrarbereich (AFA) und zu einem Bereich für den Schutz der Landschaft und Landschafts-orientierte Erholung (BSLE). Zugleich wird sie als Regionaler Grünzug (RGZ) ausgewiesen.

Damit steht ein vierzehnjähriges Ringen vor einem positiven Abschluss.
Die Landwirtschaft erhält die dringend benötige Sicherheit, mit dieser Fläche langfristig planen und wirtschaften zu können.
Auch Mensch und Natur profitieren. So sorgt die grüne Freifläche weiterhin für Kaltluftentstehung und die wichtige Funktion einer Biotopverbindung durch das Ittertal wird gestärkt.

Historie

Auslöser für die lange Vorgeschichte waren Überlegungen im Jahr 2012, mehrere Gebiete im Ittertal als Gewerbegebiet zu entwickeln. Der damalige Stadtrat wollte Landwirtschaftsflächen zu Gewerbeflächen entwickeln, darunter neben drei weiteren Gebieten im Ittertal auch Buschfeld.
Diese Überlegungen waren der Anlass für die Gründung unserer Bürgerinitiative zur Rettung der Flächen Keusenhof, Buschfeld, Fürkeltrath-2 und Piepersberg-West vor einer Bebauung.

Diese Flächen stehen seit mindestens der 90er Jahre im Gebietsentwicklungsplan 99 (GIB99) als potenzielle Gewerbeflächen. Mit der Aufstellung des Nachfolgers des GIB, jetzt Regionalplan genannt, kam Bewegung in die Sache und Solingen wollte besagte Flächen zu Gewerbegebieten entwickeln, weil es angeblich einen großen Bedarf an neuen Gewerbegebieten gäbe.

Unter anderem durch unsere Arbeit blieben diese Pläne nicht unwidersprochen und nach langer politischer Diskussion wurde die Erstellung eines sogenannten Gesamtgutachten Ittertal beschlossen.

Dieses Gutachten, zunehmende Anzahl an brachliegenden ehemaligen Gewerbeflächen, die mittlerweile einsetzende Erkenntnis zu nachhaltigem Handeln mit mehr Kreislaufwirtschaft (Flächenrecycling) und die Sorge um den Klimawandel haben in weiten Teilen der Politik zu einer Meinungsänderung geführt.

In mehreren Stadtratsbeschlüssen wurde mit breiter Mehrheit die Herausnahme von Buschfeld aus der Liste potenzieller Gewerbegebiete im Regionalrat beschlossen. Das bedeutet, Solingen will Buschfeld nicht mehr als Gewerbegebiet entwickeln.

Der politische Wille auf der kommunalen Ebene ist das eine, die Umsetzung in überregionalen Plänen, also auf Ebene des Regierungsbezirks Düsseldorf, ist das andere. Da denkt man in Statistiken und Zahlen, nicht in Güte des Bodens oder Kaltluftentstehung. Der Regierungsbezirk Düsseldorf ist groß und zum Beispiel Vertreter vom Niederrhein oder Wuppertal entscheiden auf Basis alter Prognosen über Flächenbedarfe mit. Letztendlich hat es nun ein paar Jahre und zwei Anläufe im Regionalrat gedauert, den örtlichen politischen Willen in der übergeordneten Planung umzusetzen.

In der Diskussion sind immer wieder die angeblichen Flächenbedarfe an neuen Gewerbegebieten die strittigen Punkte, weil jeder diese Zahlen für sich anders interpretiert. Für Solingen sind alle Prognosen aus der Vergangenheit nicht eingetreten. Aus unserer Sicht gibt es keinen Gewerbeflächenmangel, also das, was als Bedarf bezeichnet wird. Wir beobachten zunehmend mehr Brachflächen, also ungenutzte ehemalige Gewerbeflächen. Zuletzt sogar direkt neben Buschfeld in nahezu gleicher Größe und voll erschlossen.

Formell ist nach 14 Jahren Diskussion über Buschfeld jetzt der Punkt erreicht, bei dem der Regionalrat die Bezirksregierung aufgefordert hat, den Regionalplan zu ändern. Wenn diese Änderung als Entwurf vorliegt, wird sie offen gelegt, damit Stellungnahmen dazu möglich sind und bestenfalls wird der Entwurf dann im zweiten Halbjahr vom Regionalplan freigegeben.

„Das Gewicht der Welt“

BI Rettet das Ittertal lädt zur Sonntag-Matinee in das Cobra-Kino ein.

Eine Mail an genügt, um kostenlos an Karten für die Vorstellung am Sonntag, dem 07. Juni um 14:30 Uhr zu kommen.

Die Höhepunkte der Klimaproteste sind vorbei, die Erderwärmung wird scheinbar hingenommen, der billige Flug in den Urlaub ist wichtiger als das Schmelzen der Gletscher.
Trotz aller Warnungen der Wissenschaft haben wir die Klimakrise nicht abgewendet. Vielmehr hat die Politik die Proteste und Warnungen der Klimabewegung bisher „erfolgreich“ ausgesessen. Aber Forschung geht weiter und neue Fakten und Erkenntnisse über den menschengemachten Klimawandel kommen täglich dazu.

DAS GEWICHT DER WELT

ein Film von Florian Heinzen-Ziob 

Welche Verantwortung tragen Wissenschaftler:innen, wenn die Ergebnisse ihrer Forschung alarmierend sind und dennoch nicht in die Öffentlichkeit durchdringen? Wo endet Wissensvermittlung, wo fängt Aktivismus an? Und welche Auswirkungen hat das? “Das Gewicht der Welt” erzählt sachlich und überraschend ruhig von einer sich rasend verändernden Welt und der Suche dreier Forschender, wie ihre Rolle darin aussieht. Eine Suche, auf die sich angesichts der Dringlichkeit und der umfassenden Bedeutung der Klimakrise jede:r machen müsste – zumindest alle, die Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen.      
Florian Heinzen-Ziobs eindringlicher Film macht die Hoffnung und die Zweifel, die Selbstkritik und den Mut der Glaziologin Maria, des Chemikers Sebastian und der Molekularbiologin Nana sichtbar, die unterschiedliche Wege gehen, sich aber alle drei über ihre Labore und die herkömmliche Jobbeschreibung hinaus engagieren.      
Florians Dokumentation zeigt, dass Wissenschaftler:innen auch Menschen sind und wie ihr Einsatz sie, ihren Job und ihr Leben prägt und verändert. Und welche Überwindung ihnen diese Schritte abverlangen.“ (Sara Schurmann, Pressetext zum Film)    

Der Film portraitiert über zwei Jahre die Wissenschaftler Dr. Nana-Maria Grüning, Dr. Maria Hörhold und Prof. Dr. Sebastian Seiffert und zeigt, wie sie ihre Rolle neu definieren, obwohl oder weil ihre wissenschaftliche Expertise nicht gehört wird.